Rammingen und Freiburg, 08.05.2008
Je intensiver die Nutzung der Rasenfläche, umso wichtiger sind die Maßnahmen zur Regeneration. Alfred Melcher, Platzwart vom Sportclub Freiburg e.V., verrät seinen Ansatz.Strapazierrasen, aber auch Gebrauchs- und Zierrasen, leiden unter punktuellen Belastungen, wie sie beim Begehen oder Bespielen auftreten. Die Folge sind Verdichtungen mit Verfilzung der Grasnarbe. Das beeinträchtigt nicht nur die Optik: Auch Wasserführung, Gasaustausch und Porenvolumen verschlechtern sich, was die Widerstandsfähigkeit der Pflanzen reduziert. Als probate Gegenmaßnahme gelten das Tiefenlockern und Aerifizieren: Durch das Einstechen von Löchern nehmen die Pflanzen wieder besser Nährstoffe auf, da die Wurzeln auf weniger Eindringwiderstand stoßen und sich besser entfalten können. Mit dem begünstigten Gasaustausch steigt auch die Aufnahme von Niederschlag - ein wichtiger Faktor beispielsweise auf Sportplätzen.
Rentabel durch SchnellläuferBeim Bundesligisten Sportclub Freiburg e.V. geht man die Aufgabe professionell an. Durch das fast tägliche Training ist die Nutzungszeit hoch: Platzwart Alfred Melcher gibt vier Wochenstunden für das Stadion an, für den dazugehörigen Trainingsplatz 15 Stunden, sowie für das Hauptspielfeld der Fußballschule 10 Stunden und dessen Trainingsplatz 20 Stunden. "Bei diesen Nutzungszeiten ist Tiefenlockerung absolut notwendig, da sich der Rasen in der Zwischenzeit nicht ausreichend regenerieren kann", konstatiert der Rasenexperte, der seit acht Jahren für den SC tätig ist. Seine Methode: Häufiges Tiefenlüften mit Hohlspoons von 12 bis 25 mm Durchmesser, die 200 mm tiefe Löcher in den Boden stechen. Diese Zinken hat er am seinem Wiedenmann Terra Spike XF montiert, dem nach Herstellerangaben schnellsten Tiefenlüfter der Welt. "Die enorme Geschwindigkeit macht die Arbeit rentabel", sagt Melcher. Das Anbaugerät für seinen Kompakttraktor ist im Frühjahr, Spätherbst und Winter alle ein bis zwei Wochen im Einsatz. In der übrigen Zeit geht Melcher damit alle vier Wochen über den Rasen. Im Winter, wenn der Boden hart ist, fährt er allerdings die 8er oder 12er Vollspoons mit Einstechtiefen ab 160 mm. "Der häufige Einsatz über den Winter hält sogar die Kahlstelle im 16 m-Raum stabil". Das sei jedoch nur in Verbindung mit Topdressen, also dem Einbürsten von Sand erzielbar. Der feine Sand mit maximal einem Millimeter Korngröße hält den Boden über lange Zeit locker.
Zinken je nach AnforderungFür das Tiefenlockern rät Melcher seinen Berufskollegen, den Faktor Zeit nicht zu unterschätzten. Er selbst kompensiert den Aufwand durch den Einsatz eines Schnellläufers, der mit knapp 6 km/h Arbeitsgeschwindigkeit bis zu 60 Prozent Zeitrendite gegenüber konventionellem Gerät einfährt. Seit drei Jahren ist die robuste Maschine im Einsatz, bislang ohne Ausfall. Ein zuvor über sechs Jahre eingesetztes Gerät eines anderen Herstellers musste aufgrund hohen Verschleißes ausrangiert werden.
Wie viele Fachleute empfiehlt auch Melcher, das grüne Problem "an der Wurzel" anzufassen, den Rasen also von unten satt von oben zu kurieren. Dabei sei gerade das Tiefenlockern die wohl wichtigste Maßnahme überhaupt, denn nur bei gesundem Wurzelwachstum sei eine dichte und schöne Grasnarbe zu erzielen. Beim Einsatz der Spoons müsse allerdings darauf geachtet werden, dass die Einstechtiefe exakt eingestellbar ist: Nicht nur im Freiburger "badenova-Stadion" liegt eine Rasenheizung, die nicht beschädigt werden darf. Eine zentrale Einstellmöglichkeit am Tiefenlüfter, mit der der Zinkeneinstechwinkel und die Arbeitstiefe unabhängig von der Zinkenlänge kurzerhand angepasst werden kann, sei im Arbeitsalltag ungemein praktisch.
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